Trauma-(Arten)
Unter Trauma im psychologischen Sinne wird eine Verletzung oder Verwundung verstanden, die physischer, psychischer und moralischer Art sein kann.
Psychische Traumata, so wie sie in dieser Arbeit verstanden werden, sind mit dem Erleben eines traumatischen Ereignisses von verheerendem Ausmaß verbunden.
Psychische Traumata sind immer von Gefühlen "intensiver Angst, Hilflosigkeit, Kontrollverlust und drohender Vernichtung" begleitet.
(Judith Lewis Herman, Die Narben der Gewalt. Traumatische Erfahrungen verstehen und überwinden, München: Kindler 1998, 54)
Traumata können die normalen Anpassungsstrategien des Menschen überfordern und zur Entwicklung von Störungen führen.
Die Klassifikationssysteme definieren Trauma wie folgt:
ICD-10 1994 (Klassifikation der WHO)
"kurz- oder langanhaltende Ereignisse oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß, die nahezu bei jedem tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde."
DSM IV 1994 (in den USA gebräuchliches Klassifikationssystem)"Potentielle oder reale Todesbedrohungen, ernsthafte Verletzung oder eine Bedrohung der körperlichen Versehrtheit bei sich oder anderen, auf die mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit oder Schrecken reagiert wird."
(Andreas Maercker (Hrsg.), Therapie der posttraumatischen Belastungsstörung, Berlin, Heidelberg, New York: Springer,1997, 6)
Man unterscheidet kurzdauernde traumatische Ereignisse (Typ-I-Traumen) und längerdauernde, wiederholte Traumen (Typ-II-Traumen).
Charakteristika der Typ-I-Traumen sind meist akute Lebensgefahr, Plötzlichkeit und Überraschung.
Beispiele:
Naturkatastrophen, Unfälle, technische Katastrophen, kriminelle Gewalttaten, wie Überfälle, Schusswechsel u. ä.
Kennzeichen der Typ-II-Traumen sind Serien von traumatischen Einzelereignissen mit geringer Vorhersagbarkeit des Weiteren traumatischen Geschehens.
Menschlich verursachte Traumen:
- sexuelle und körperliche Misshandlungen in der Kindheit
- kriminelle und familiäre Gewalt
- Vergewaltigungen
- Kriegserlebnisse Zivile Gewalterlebnisse (z. B. Geiselhaft)
- Folter und politische Inhaftierung
- Massenvernichtung (KZ-, Vernichtungslagerhaft)
Katastrophen, berufsbedingte und Unfalltraumen
- Naturkatastrophen
- Technische Katastrophen (z. B. Giftgaskatastrophe)
- Berufsbedingte (z. B. Militär, Polizei, Feuerwehr)
- Arbeitsunfälle (z. B. Grubenunglück)
- Verkehrsunfälle
(Maercker, 1997, 5 + 6)
Nicht das Trauma an sich, sondern die Verarbeitung und die Bedeutung, die der Traumatisierte dem Geschehen zuweist, bestimmen die Ausprägung einer folgenden Erkrankung.
(vgl. Bessel A. van der Kolk, Alexander C. McFarlane, Lars Weisaeth (Hrsg.), Traumatic stress. Grundlagen und Behandlungsansätze. Theorie, Praxis und Forschung zu posttraumatischem Streß sowie Traumatherapie, Paderborn: Junfermann, 2000, 206)
Generell lässt sich sagen , dass durch Menschen verursachte Traumen und zeitlich längerdauernde Traumen zu stärkeren und chronischeren Beeinträchtigungen führen.
Traumen lassen sich in ihrer Pathogenität unterscheiden. Die pathogensten Formen sind:
- Vergewaltigung
- Kriegsteilnahme (Soldaten und Zivilisten)
- Misshandlungen und sexueller Missbrauch in der Kindheit
(Maercker, 1997, 22)
Eine andere Quelle spicht von Entwicklung einer PTSD nach folgenden Traumen:
- 20% nach einem Verkehrsunfall
- 50% nach einer Vergewaltigung
- 80% nach Folterung
(Hans-Henning Melbeck, Ptsd-unit. Vortrag vor der Feuerwehr Leitung Berlin, 20012001))
Zur Epidemiologie finden sich unterschiedliche Angaben:
Eine Untersuchung in den USA ergab eine Lebenszeitprävalenz von 7,8%, davon 10,4% bei Frauen und 5,0% bei Männern. Eine Studie in der BRD ergab geringere Werte von 2,2% bei Frauen und 0,4% bei Männern.
(Maercker, 1997, 22)
Eine andere Quelle sagt, 60% aller Menschen in den USA erlitten in ihrem Leben ein relevantes Trauma, 14% von ihnen entwickelten eine PTSD. In der BRD findet man selten das Vollbild, aber partielles Auftreten der PTSD mit einer Prävalenz von 1-9%.
(Melbeck, 2001)
Insgesamt gibt es außer Einzelstudien keine gesicherten Angaben über Häufigkeit und Lebenszeitrisiko.
(Hans-Jürgen Möller, Gerd Laux, Arno Deister, Psychiatrie, Stuttgart: Hippokrates Verlag,1996, 206)
Vortraumatisierung (wie der 4. Fahrgastunfall eines U-Bahnfahrers) und kritische Lebensereignisse und Rollenwechsel innerhalb der Biographie verstärken eine vorhandene Symptomatik bzw. können zum Ausbruch einer Erkrankung führen.
Das Trauma wirkt umfassend und beeinflusst den Menschen auf all seinen Funktionsebenen:
auf der physiologischen, psychologischen, sozialen und spirituellen.




