Chronische Muster
Bei chronischen Mustern wie bei der komplexen PTSD ist das gesamte Zeitempfinden und -erleben beeinträchtigt. Der Erkrankte ist in seiner Vergangenheit beschädigt, kann seine Gegenwart nicht voll leben und hat seine Zukunft verloren. "Ausschließliche Konzentration auf die Vergangenheit nimmt dem Leben seine Farbigkeit und aus aktuellen Erfahrungen wird nicht mehr gelernt."
(van der Kolk, 2000, 28)
Zu den Kernsymptomen: Intrusion, Betäubung und Übererregung treten dissoziative Störungen, Somatisierung, selbstzerstörerische Verhaltensweisen, wie Suizidversuche, Selbstverstümmelung, Eßstörungen, zwischenmenschliche Probleme und Entfremdung und berufliche Behinderungen
(van der Kolk, 2000, 15/17)
So wiesen z. B. KZ-Insassen weniger stabile Berufsbiographien mit häufigerem Wechsel der Arbeitsstelle, des Wohnortes und des Berufes auf.
(van der Kolk, 2000, 154)
Außerdem führt PTSD in ihrer schweren Form zu einem massiven sozialen Abstieg in jene sozialen Randgruppen, die die stärkste soziale Fehlanpassung zeigen.
(van der Kolk, 2000, 156)
Beispiel: Trauma in der Kindheit
Ganz verheerende Wirkung haben Misshandlung und Missbrauch in der Kindheit. Kinder werden erheblich in ihrem Reifeprozeß behindert. Je jünger das Kind und je länger dauernd das traumatische Geschehen ist, desto größer ist die Schädigung. Auch als Erwachsene bleiben diese Menschen Gefangene ihrer Kindheit. Oft kommt eine Erkrankung erst nach Jahren zum Ausbruch.
"Je stärker ehemalige Opfer mit den Anforderungen des Erwachsenenlebens konfrontiert sind, desto schwerer lastet das Erbe der Kindheitserfahrungen auf ihnen. Irgendwann, oft erst im dritten oder vierten Lebensjahrzehnt, brechen die Abwehrmechanismen allmählich zusammen. Häufig löst eine Veränderung in der Balance der engsten Beziehungen einen solchen Zusammenbruch aus."




